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Mobilität für alle



Ein tausendfaches tägliches Ritual. Bei den meisten der 330.000 S-Bahn-Fahrgäste geht es ganz automatisch: Sobald der Zug steht, die Türen sich öffnen, betreten sie die Wagen. Doch für Kinder, Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen liegen Welten zwischen Bahnsteigkante und S-Bahn-Wagen. Hürden in Form von Stufen und Spalten.

Um auch diesen "mobilitätseingeschränkten" Menschen einen barrierefreien Zugang in die S-Bahn zu ermöglichen, hat der Verkehrsausschuss umfangreiche Verbesserungen an 32 S-Bahn-Stationen beschlossen.

Im Fokus: die Beseitigung der gut 20 Zentimeter hohen Einstiegsstufe. Dafür müssen mindestens elf Millionen Euro aufgewendet werden, um Bahnsteige und S-Bahnen – in bestimmten Abschnitten – auf die gleiche Höhe zu bringen, wie es beispielsweise auf den Strecken nach Herrenberg und Filderstadt schon heute der Fall ist.


Damit die Stufe nicht zur Hürde wird



Trotz der Bemühungen bleibt für S-Bahn-Nutzer im Rollstuhl eine Schwierigkeit: der horizontale Spalt zwischen Bahnsteigen und S-Bahn-Zügen.

"Auch hierbei arbeiten wir an Lösungen", versichert Dr. Dirk Vallée. Der Leitende Technische Direktor verweist auf die "Machbarkeitsstudie zur barrierefreien Mobilität im S-Bahn-Netz Stuttgart" vom Juni 2001. Es gebe unterschiedliche Rampen-Systeme, mit denen der Spalt überwunden werden kann. "Ein Patentrezept haben wir aber leider noch nicht", so Dr. Vallée.

Bei aller Freude über die jetzt beschlossenen Verbesserungen, es bleiben zwei Unsicherheiten, daraus macht der Planungsdirektor keinen Hehl. Zum einen stehe die Genehmigungen des Eisenbahnbundesamtes noch aus, zum anderen muss die Finanzierung dieser Maßnahmen durch Zuschüsse aus Förderprogrammen noch geklärt werden.



Zugang am Bahnsteig



Und so sehen die Vorschläge aus:

- An 19 S-Bahn-Stationen sollen die Bahnsteige teilweise erhöht werden, so dass ein ebener Einstieg jeweils an der ersten Tür hinter dem Fahrer möglich wird.

- Die Bahnsteige von 13 S-Bahn Stationen werden auf voller Länge erhöht. An sieben Stationen davon werden die Mittelbahnsteige nur auf der Seite erhöht, die von der S-Bahn angefahren wird.

Nicht nur für mobilitätseingeschränkte Menschen wird das S-Bahn-Fahren leichter, auch blinden und sehbehinderten Menschen wird eine bessere Orientierung ermöglicht. Die umzubauenden S-Bahn-Stationen erhalten neue Blindenleitstreifen. Außerdem werden die Stationen mit Zug-zielanzeigern ausgestattet, die allen Fahrgästen die nächste S-Bahn-Abfahrtszeit und die jeweilige Zuglänge mitteilen.

Die abschnittsweise Erhöhung der Bahnsteige ist ein Novum in deutschen S-Bahnnetzen. Falls sich das Konzept bewährt, könnte es die Kosten für den barrierefreien Ausbau senken und die dafür notwendigen Bauzeiten verkürzen.


Bahnhofsumfeld



Seit seinem Bestehen unternimmt der Verband Region Stuttgart gemeinsam mit der Deutschen Bahn AG, dem Land Baden-Württemberg und den Landkreisen Anstrengungen, um auch für mobilitätseingeschränkte Menschen den Zugang zu Bahnhöfen und S-Bahnen zu verbessern. Die Arbeitsteilung sieht wie folgt aus: Während sich die Region um die Bahnsteighöhen- und abstände kümmert, sorgen die weiteren Partner für den ungehinderten Zugang zum Bahnhof.

Im sogenannten "fünften Ausführungsvertrag" aus dem Jahr 1995 hatten sich die Deutsche Bahn, das Land, die Stadt Stuttgart und die Landkreise darauf verständigt, Hindernisse auf dem Weg in die Bahnhöfe zu beseitigen. Meist geschieht dies durch Rampen oder Aufzüge. Ein umfangreiches Programm wurde aufgelegt, das nun Zug um Zug nach Planungsstand und Finanzierungsmöglichkeiten abgearbeitet wird.

"Mit diesem Gesamtpaket sind wir ein gewaltiges Stück weiter gekommen, den barrierefreien Einstieg in die S-Bahnen zu realisieren", findet Dr. Dirk Vallée. Zusammen mit weiteren Umbauten von Bahnhöfen im Zuge der S-Bahnausbauprojekte könnten dann alle S-Bahnstationen auch von Fahrgästen mit eingeschränkter Mobilität in vollem Umfang genutzt werden.




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